Lemberg, Bahnhof. Irgendwann am frühen Abend. Ich habe mir vorgenommen am nächsten Tag nach Kiew zu fahren. Ein schottischer Bekannter aus dem Hostel "Shevchenko" wartet gerade auf den Zug nach Budapest. Wir verabschieden uns voneinander und er wünscht mir Glück beim Fahrkartenkauf - was - wie ich nachher zu spüren komme - dringend von Nöten ist.
Ich will nach Kiew. Gute 9 Stunden dauert das. Irgendwann am nächsten Tag, Uhrzeit egal. Ich nehme einen Zettel aus meienr Tasche und schreibe in kyrillischer Schrift - die sollte man unbedingt vorher ein bisschen lernen - "Kiew" und das Datum auf. Guten Mutes reihe ich mich in der Schlange am Fahrkartenschalter - als ich an der Reihe bin, begrüße ich die freundliche Dame mit einer Mischung aus Polnisch und Russisch - Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch oder Schwedisch versteht ohnehin niemand hier. Behutsam schiebe ich meinen Zettel unter der Glasscheibe hindurch. Offensichtlich möchte sie auch die Uhrzeit wissen.Ich nehme den Zettel zurück und schreibe "12.00?" auf - im Prinzip ist es mir ja egal. Daraufhin nimmt sie einen Stift zur Hand und schreibt "24.00?" auf. Sie will nichts verstehen. Die anderen Wartenden werden ungeduldig, rempeln mich an, schieben mich weg.
"Hey, sprichst du Englisch?", frage ich ein junges Mädchen, "Aber selbstverständlich. Kann ich dir irgendwie helfen?" - für einen Moment bin ich verwirrt, irgendwie hatte ich gar nicht erwartet, dass ich verstanden werde. Wir unterhalten uns ein bisschen, während wir am Schalter warten und sie stellt mir ihren Freund vor. "Das kann doch nicht sein!", ruft sie wütend, "Alle Züge nach Kiew morgen sind ausgebucht." In der Ukraine muss man für Fernverkehrszüge immer eine Reservierung haben - die billigste Kategorie nennt sich "platzkarty" - ein "Germanismus", der seinen Weg in die Ukrainische und Russische Sprache gefunden hat.
"Ich will, dass du ein Ticket nach Kiew bekommst.", sagt sie mit selbstbewusster Stimme, "Komm mit!". Was hat Sie vor? ich folge ihr. Draußen wartet in einer schicken Limousine ihr Freund. "Wir fahren ihn zum Busbahnhof und ich kauf ihm ein Ticket. und schon geht es mit gefühlten 90 km/h über die von Schlaglöchern gespickten Pisten der Stadt - das Busterminal befindet sich 8km außerhalb des Lemberger Stadtzentrums. Einen Anschnallgurt gibt es nicht. "Mein Freund ist ein erfahrener Fahrer.", beruhigt sie mich. "Du brauchst keinen Gurt.".
Lieber wäre ich mit dem Bus zurück zur Jugendherberge gefahren, aber nachdem ich stolz mein Busticket in die Hauptstadt in der Han dhalte, bestehen die beiden darauf, mich noch "nach Hause" zu bringen. Also lasse ich den Ritt nocheinmal über mich ergehen und stehe 15 Minuten später vor dem Hostel. Wir haben Handynummern getauscht, am nächsten Tag wollen sie mir schreiben und sich von mir auf einen Drink einladen lassen.
Ich habe nie wieder etwas von ihnen gehört. 
Kontraste: Der alte Hauptbahnhof und der internationale Busbahnhof







