Londonderry/Derry ist die zweitgrößte Stadt Nordirlands und wird im Volksmund auch "Stroke City", die Stadt mit dem Strich genannt. Der ursprüngiche irische Name der Stadt ist "Derry", die Bezeichnung "Londonderry" wurde von protestantischen, England nahestehenden Siedlern geprägt - als Anerkennung für einige Londoner Handelsorganisationen, die die Errichtung der Stadtbefestigung finanziell unterstützten. Erst im Nordirlandkonflikt wurden diese unterschiedlichen Bezeichnungen politisiert und es stand damit ein Namenskonflikt.
Unser Stadtspaziergang führt auf der komplett enthaltenen Stadtmauer zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des alten Derrys, einer Planstadt, bevor wir hinabsteigen zur "Bogside", ein Stadtteil, der ab 1969 Schauplatz mehrerer Unruhen und Massaker wurde. Die nationalistischen Bewohner der Bogside erklärten sich im Juni 1969 zum ersten mal für unabhängig - der Begriff "Free Derry" war geboren. Im Januar 1972 wurden die Aufstände mit massiver Gewalt durch die britische Armee beendet. Dieser Schlacht am sog. "Bloody Sunday" fielen 14 unbewaffnete Bürger zum Opfer, einige von ihnen sollen sogar von hinten erschossen worden sein.
Die Bildergalerie vermittelt einen kurzen Eindruck der Stadt.








Die nordwestliche Küste Nordirlands (in der Country Antrim) ist sehr felsig - Sandstrände eine Rarität. Wer gut zu Fuß ist, kann z.B. von Portstewart zum gut 16 km entfernten "Giant's Causeway" wandern - dem Highlight der Region. Wenn man durch die bizarren Formationen der Basaltsäulen, die übrigens unter dem Schutz des UNESCO-Welterbes stehen, klettert, staunt man nicht schlecht: Die Grundflächen dieser Gebilde sind regelmäßige Sechsecke - sie erscheinen irreal, wie von Menschenhand dorthin gebracht. Laut einer Legende soll ein Riese hier versucht haben, sich einen Damm nach Schottland zu seiner Geliebten zu bauen - wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Lava eines nicht mehr existenten Vulkanes das Gestein formte.
"The city is very rough.", sagt Sairu zu mir auf dem Weg von seinem Appartment zum LIDL - der hier übrigens alles andere als günstig ist, wenn man deutsche Lebensmittelpreise gewohnt ist. Was mein indischer Gastgeber, der bereits ein knappes Jahrzehnt in Dublin lebt und arbeitet, mit dieser Aussage genau meint, wird mir beim Stadtbummel ziemlich schnell klar: Die Stadt ist grau, viele Straßenzüge sind geprägt durch aneinandergereihte kleine geklinkerte Häuschen der "worker's class", der Verkehr verstopft die Innenstadt und die Luft ist dreckig - eine Industriestadt eben.